Vier Sätze, die mein Leben gesteuert haben
Wie aus einem Stottern in der Kindheit eine Kette von Glaubenssätzen wurde und was ich daraus für meine Arbeit gelernt habe.

Ich habe 17 Jahre lang gestottert. Ich sagte „Wagen“ statt „Auto“, weil das leichter über die Lippen kam. Ich hatte gelernt, Umwege zu nehmen, um dem Schmerz auszuweichen. Und meine Klassenlehrerin sagte mir einmal, ich sei dumm.
Was dabei in mir entstanden ist, habe ich erst viele Jahre später verstanden. Aus diesem einen Satz von außen ist nach und nach eine ganze Kette geworden, die sich in mir festgesetzt hat.
Die Kette
- „Ich kann mich nicht artikulieren. Ich bin nicht redegewandt.“
- „Wenn ich nicht redegewandt bin, dann muss ich dumm sein.“
- „Wenn ich dumm bin, werde ich nie etwas erreichen.“
- „Wenn ich nichts erreiche, bin ich wertlos.“
Vier Sätze, die mein Leben gesteuert haben, ohne dass ich sie jemals bewusst gedacht hätte. Sie standen hinter vielen Entscheidungen, hinter meinem Ehrgeiz und auch hinter der Zeit, in der ich mich später fast komplett verloren habe.
Warum Glaubenssätze so leise sind
Das Tückische an solchen Sätzen ist, dass man sie nicht hört. Sie fühlen sich an wie die Wahrheit. Man merkt sie nur an dem, was sie auslösen: dem Druck, sich beweisen zu müssen, der Angst, nicht zu genügen, oder dem Gefühl, dass etwas fehlt, obwohl von außen alles gut aussieht.
Mit 19 schenkten mir meine Eltern eine Hypnosetherapie mit Atemarbeit. Für mich war das der erste Moment, in dem ich gespürt habe, dass sich etwas ganz tief innen verändern kann, ohne Willenskraft und ohne mich mehr anzustrengen.
Ich kannte den Beziehungs-Code, bevor ich wusste, wie er heißt.
Was ich daraus mitgenommen habe
Genau deshalb arbeite ich heute so, wie ich arbeite. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Verstehen im Kopf allein nicht reicht. Ein Glaubenssatz braucht einen Ort, an dem er gesehen werden darf, und Zeit, damit sich etwas Neues setzen kann.
Wenn du magst, nimm dir heute einen Moment und frag dich: Welcher Satz läuft bei mir leise mit, wenn ich unter Druck gerate? Schreib ihn einfach auf, ohne ihn zu bewerten. Das ist oft schon der erste Schritt, ihn nicht mehr ganz so ernst zu nehmen.